Ohne Kleider, ohne Handy

Elena bedeckt mit ihren Händen ihr Gesicht, den Rest ihres Körpers zusammen gezogen zu einer Kugel. Sie fühlt sich, wie in einer 80°-Sauna. "Wo bin ich? Bin ich Tot?" Sie dreht ihren Kopf ängstlich hin und her. Durch die Augenlider, kann Elena ein helles Licht sehen. So als würde sie im Sommer mit geschlossenen Augen in Richtung Sonne schauen. Nur, dass die Sonne jetzt von allen Seiten scheint. Sie hört ein fortwährendes Geräusch, welches sie an den Gasbrenner im Chemielabor erinnert. Elena spürt aber keinerlei schmerzen sonder nur eine seltsame Schwerelosigkeit. Sie spürt wie ihr beim Gesicht heisser wird und drückt ihre Hände stärker dagegen um sich vor der Hitze zu schützen. Doch stattdessen wird es noch heisser, je mehr sie ihre Hände auf ihr Gesicht drückt. Sie schreit laut auf und streckt alle Extremitäten von sich. Dabei hat sie ihre Augen schlagartig aufgemacht. Von den Flammen geblendet, hört und sieht Elena, wie sie beim sich Strecken eine Weitere Feuerexplosion erzeugt hat. Elena erblickt ihre brennenden Arme und Hände vor sich und schreit: "Ich brenne!"

Die Putzfrau reinigt gerade den Lehrerschreibtisch im Zimmer 203, als sie eine laute Explosion hört. Sie flüchtet sofort unter den sauberen Tisch. Der Boden Bebt wie bei einem Erdbeben. Sie hält die Hände über den Kopf und drückt dabei versehentlich den Putzlumpen über sich selber aus. Wenn sie sich nicht gerade die, vom Putzmittel brennenden Augen reiben müsste, würde sie sehen, wie fast die Hälfte der Schulzimmerdecke auf die hinteren Schulbänke donnert und diese dabei brennend zermalmt. Die Putzfrau öffnet zusammenzuckend ihre Augen, als die Hitzewelle sie erreicht. Die Tische und Stühle fangen sofort Feuer. Es hängen brennende Kabel, Bildschirme und Computer durch den Spalt in der Decke und die Putzfrau kann beim Hindurchsehen eine schwebende Feuerkugel erkennen. Sie starrt für ein paar Sekunden von der Feuerkugel gebannt unter dem Lehrerpult hervor. So etwas hat sie noch nie gesehen. Plötzlich stösst die Feuerkugel einen weiblich klingenden Schrei aus und eine grosse Flammenexplosion breitet sich aus. Die Putzfrau rennt so schnell aus dem Schulzimmer wie sie kann. Gefolgt von einer glühend heissen Explosionsdruckwelle. Im Schulgang stürzt sie ungeschickt auf den Boden, kann sich aber wegen ihrer Todesangst schnell wieder aufrappeln und bevor sie die breiten Treppen hinunter läuft knallt sie die Schulzimmer Tür zu, weil sie Angst hat, dass die brennende Kugel aus dem Zimmer kommen könnte. Als sie durch den Ausgang flüchtet und dabei um Hilfe Ruft, hat sie bereits verdrängt, dass sie unter dem Rauschen des Feuers eine weibliche Stimme "Ich brenne!" schreien gehört hat.

Nach dem Elena ihre brennenden Hände bemerkt hat, schliesst sie sofort wieder ihre Augen vor Schreck und weil ihre Augen wegen der Helligkeit ihrer Flammen schmerzen. Sie öffnet sie aber gleich wieder, als könne sie nicht glauben, das sie selber die Explosionen mit ihrer Körperoberfläche erzeugt hat. "Verdammt! Das Schulhaus brennt! Ich habe das Schulhaus zum brennen gebracht!", denkt Elena während sie sich durch ihre eigenen Flammen hindurch umsieht. Sie schaut nach unten, sieht das brennende Schulzimmer 203 durch ein grosses Loch im Boden des Computerraumes weit unter ihren Füssen und denkt: "Ich schwebe in der Luft!" Und gleichzeitig sieht sie jetzt auch, dass sie keine Kleider mehr an hat. Doch noch schlimmer ist für sie, dass sie ihr Handy in die Luft gesprengt hat. Elenas Augen haben sich jetzt langsam an die Helligkeit gewöhnt. Jetzt bemerkt sie den Vollmond über sich. Elena hat ein riesiges Loch in die beiden obersten Stockwerke der Kantonsschule gesprengt. Sie fühlt sich wie in einem Traum, nur dass alles zu echt aussieht, um nicht wahr zu sein. "Wie komme ich hier Weg?! .... Ich will, dass das sofort aufhört! Stop!" denkt sie und sieht, wie die vor sich hin züngelnden gelb-orangen Flammen auf ihrer Haut kleiner werden. Dann verschwinden sie ganz und Elena merkt, wie das Gefühl von Schwerelosigkeit auf einem mal weg ist. Jetzt fühlt sie plötzlich die ungeheure Hitze, die von den Brennenden Tischen und Stühlen unter ihr hochsteigt und sieht diese sehr schnell näher kommen. Jetzt merkt Elena endgültig, dass sie nicht träumt. Sie schreit panisch: "Feuer! Explosion! Feuer!" Elena fällt mit einem dumpfen Krachen auf zwei brennende Tische.

Unterdessen redet sich Nico mit Verzweiflung ein: "Sie hat die Explosion bestimmt überlebt! Ich kann es mir nicht anders vorstellen. Es muss so sein!" Der Bruder von Nico macht Nicos Zimmertüre auf und fragt ungeduldig: "Bis du eigentlich schwerhörig?!" Nico schaut abwesend zu seinem kleinen Bruder: "Was hast du gesagt?" - "Kommst du jetzt endlich?! Mama hat dir schon fünf mal zum Essen gerufen!" - "Nein, ich habe keinen Hunger." - "Was heisst das? Komm jetzt! Es gibt später nichts mehr zu essen, nur jetzt!" - "Nein.", sagt Nico kopfschüttelnd und mit einer Hand die Stirn stützend. "Was ist los? Geht es dir nicht gut? Du isst doch eigentlich immer, egal was es gibt." - "Esst ohne mich, ich habe Kopfschmerzen." Der Bruder macht ein verwundertes Gesicht, denn er weiss, dass Nico noch nie in seinem Leben Kopfschmerzen hatte. "Kommt ihr jetzt endlich?! Sonst koche ich das nächste mal nichts mehr!", ruft die Mutter aus der Küche. Der Bruder geht zurück in die Küche und berichtet das Nico Kopfschmerzen habe. Trotzdem ruft die Mutter noch ein paar mal nach ihm, aber Nico ignoriert es einfach und versinkt wieder in seinen Befürchtungen. Er versucht auf Elenas Handy anzurufen, natürlich vergeblich. Ist es jetzt Nicos Schuld, dass Elena in ihrem Schulhaus eine Explosion erzeugt hat? Er sträubt sich und denkt: "Nein! Ich kann doch nichts dafür, dass Elenas Superkräfte von meinen Gedanken ausgelöst werden! Ich bin unschuldig! Niemand kann mir etwas vorwerfen! Ich war ja gar nicht dort ... Ich hoffe nur, dass es Elena gut geht. Alles andere ist mir jetzt egal!"

Nico mahlt sich aus, was mit Elena geschehen könnte, wenn die Polizei oder die Feuerwehr herausfindet, dass sie die Verursacherin der Explosion war. Sie werden sie behandeln wie ein ausserirdisches Wesen ... aber wie würde denn die Polizei einen Ausserirdischen behandeln? Das kann sich Nico nicht vorstellen, deshalb greift er gedanklich auf ein anderes Beispiel zurück: "Oder wohl eher wie eine Hexe? Nein, auch in der Schweiz ist die Hexenverbrennung nicht mehr erlaubt. (Obwohl es peinlicherweise gar nicht so lange her ist...)"
Ja, der springende Punkt ist: Wie würden die Menschen in dieser modernen und angeblich aufgeklärten Welt auf ein Teenager mit Superkräften reagieren? Nico ist sich auf jeden Fall sicher, dass auch wenn Elenas Fähigkeiten in den Medien, im Fernseher und vor allem im Internet gezeigt werden, dann würden alle zuerst denken, dass es sich wieder einmal um einen erfundenen und inszenierten Gag handelt, um den es einen grossen Hype gibt. Mal abgesehen von ein paar Marvel-Freaks, die glauben, dass es schon immer überall getarnte Superhelden und Aliens gegeben hat.

Unterdessen glüht bereits die Schulzimmertür vor Hitze. Der Rauchmelder-Alarm betäubt Elenas Gehör. Sie liegt in mitten von brennenden Holztrümmern und sieht mit schrecken, wie die Flammen sich um ihren Körper reissen. Sie schreit wie am Spiess. Doch dann merkt sie, dass sie eigentlich gar keine Schmerzen spürt. "Es hat funktioniert!", sagt sie sich aufmunternd, trotzdem ist sie immer noch geschockt. Elena steht vorsichtig auf und sieht dabei wie die an ihr klebenden Flammen sich mit ihr zusammen erheben. "Elena, denk nach! Tu jetzt ja nichts unüberlegtes mehr!", denkt sie und dreht sich zur brennenden Zimmertüre um. Entschlossen, da sie keinen anderen Ausweg sieht, schreitet sie mit glühenden Schritten zwischen den brennenden Tischreihen hindurch zur Türe. Sie will den Henkel betätigen, doch zieht erschrocken ihre Hand wieder zurück. Der Metall-Griff glüht am Rand bereits rötlich. Da Elena jetzt vor dieser brennenden Tür steht, muss sie gleich an eine Actionfilm-Scene denken. Einfach einen dramatisch kräftigen Fusstritt in die Mitte, und der Held hechtet aus dem Zimmer. Genau das versucht sie jetzt auch. Es sieht lächerlich aus, wie Elena auf halber Höhe in die Türe tritt und dann, merkt dass die Tür stärker ist. Doch so schnell gibt sie nicht auf. Sie tritt nochmals mit aller Kraft dagegen. Und fällt dabei ungeschickt nach hinten auf den brennenden Wandtafel-Schwamm am Boden. "Scheisse! Es kann doch nicht sein, dass ich das halbe Schulhaus in die Luft sprengen kann, aber nicht fähig bin eine Tür zu öffnen!", Elena brennt vor Wut. "Scheiss auf die Hollywood-Actionfilme! Ich öffne diese Tür jetzt auf meine Art!" Sie nimmt etwas Anlauf und sprintet ohne einen weiteren Gedanken zu verlieren mit voller Wucht in die brennende Tür. Als sie in die dagegen prallt, stösst sie einen kriegerisch klingenden Schrei aus. Dabei gibt es eine von ihr ausgehende Feuerexplosion. Elena stolpert in den Schulflur und fällt ähnlich wie die Putzfrau zuvor auf den Boden. Nur mit dem Unterschied, dass sie die Türe nicht mehr zumachen kann, weil jetzt weder die Türe noch der Türrahmen noch vorhanden sind.
Ein leichtes Triumphgefühl zwingt sie zu einem flüchtigen Schmunzeln. Doch im nächsten Moment, stellt sie mit Entsetzen fest: "Ich kann doch nicht einfach in diesem feurig-heissen Zustand durch das Schulhaus laufen und dann unten durch den Schuleingang hinausspazieren! Was wäre, wenn mich jemand sieht?!" Ihr ist natürlich auch eingefallen, dass es ohne Flammen, nicht gerade besser wäre, weil sie sich ja ihre heissgeliebten H & M-Jeans und auch die anderen Klamotten bei der ersten Explosion vom Körper gebrannt hat. Elena schaut zwischen dem Treppengeländer auf die unteren beiden Etagen hinunter. Sie hat wohl wegen dem lauten Feueralarm keinen Feuerwehrwagen kommen hören, denn im Parterre kann sie bereits die Orangen Schutzanzüge und weissen Helme sehen. Mit lauten Schritten kommen sie die Treppen hoch. An den Feuerwehrmännern kommt Elena nicht ungelöscht vorbei. Sie denkt: "So muss sich die Maus anfühlen, wenn sie in der Falle sitzt!"